Singener Tafel e.V.

»Hier kommen Lebensmittel auf dem richtigen Weg zu den richtigen Leuten«

Herzlich geht es zu, bei der Singener Tafel. Das merkt man sofort, wenn man die Räume des Vereins am Singener Heinrich-Weber-Platz betritt. Neben dem Tafelladen, in dem Bedürftige an vier Tagen pro Woche einkaufen können, gibt es dort zusätzlich das Tafelrestaurant, wo an fünf Tagen pro Woche ein Mittagstisch angeboten wird. Die Singener Tafel war die erste, Tafel, die in Südbaden gegründet wurde. Die Idee dazu entstand bei der Arbeitslosenhilfe der AWO. Udo Engelhardt wollte mit seinen Kollegen ein Beschäftigungs- und Selbsthilfeprojekt für Langzeitarbeitslose ins Leben
rufen. Dabei stießen die AWO-Mitarbeiter auf das Konzept der Tafel, das in Stuttgart bereits erfolgreich funktionierte. So kam nach einer Besichtigung der dortigen Einrichtung Ende des Jahres 1997 die Idee zur Gründung der Singener Tafel. Das Projekt wurde konsequent weiterverfolgt, bis im Januar 1999 der Verein Singener Tafel e.V. gegründet werden konnte. Die AWO war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr direkt für die Tafel zuständig. Udo Engelhardt wurde der erste Vorsitzende des Vereins. »Auch wenn AWO und Tafel nicht direkt miteinander verknüpft sind, wurde mir eingeräumt, einen Teil mei
ner Arbeitszeit bei der AWO für die Organisation der Tafel zu verwenden«, erklärt er. »Das bringt den Vorteil mit, dass wir viel auf dem kurzen Dienstweg regeln können, auch durch die räumliche Nähe. Oft stellen wir bei Gesprächen mit unseren Kunden fest, dass sie noch weitere Probleme haben, bei denen sie dann von der AWO Hilfe bekommen können«, so Engelhardt weiter. Damit kann die Singener Tafel ein ganzheitliches Lösungskonzept für die
Menschen anbieten, die auf Hilfe angewiesen sind. Im März 1999 wurde von der Singener Tafel erstmals ein Mittagstisch angeboten, wenige Monate später folgte die Eröffnung des Tafelladens in der Ekkehardstraße. Im Jahr 2005 zogen Tafelladen und Mittagstisch an den jetzigen Standort am Heinrich-WeberPlatz um. Im gleichen Jahr eröffnete der Verein einen Tafelladen in Konstanz. Es folgten weitere Tafelläden in Stockach, Engen und Radolfzell.
»Es war uns wichtig, dass die Einrichtungen der Tafel im Landkreis alle von einem einzigen Verein getragen werden. So können wir vermeiden, dass Konkurrenz zwischen den einzelnen Einrichtungen entsteht, wenn es um Spenden geht«, erläutert Udo Engelhardt. Die Arbeit des Vereins finanziert sich hauptsächlich aus Spenden und den Einnahmen aus den Tafelläden. Dazu kommen die Mitgliedsbeiträge, Bußgelder und die Einnahmen von Mittagstisch. Ein Essen beim Mit
tagstisch kostet 1,80 Euro, die Artikel im Tafelladen werden für 10 bis 20 Prozent des regulären Preises verkauft. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Menschen, die auf die Tafel angewiesen sind, nicht das Gefühl haben, sie würden ein Almosen bekommen. »Uns ist es wichtig, auch das Selbstwertgefühl unserer Kunden zu stärken. Deshalb ist ein höflicher, respektvoller Umgang sehr wichtig für uns, auch wenn mal ein schwierigerer Fall dabei ist«, so Engelhardt. Die Tafel darf keine Lebensmittel dazukaufen. Die Lebensmittel für die Läden und den Mittagstisch werden alle gespendet, dazu kooperiert sie mit rund 90 Prozent der Lebensmittelgeschäfte im Landkreis Konstanz. Überhaupt wäre der Betrieb nicht möglich ohne ein großes Netzwerk aus Spendern und Unterstützern. Streng getreu dem Motto »Helfen ist einfach, jeder tut das was er am besten kann«. Seit 2005 sind auch immer wieder Gastköche für den Mittagstisch zuständig. Das können zum Beispiel Vereine sein, die dann an einem Tag Lebensmittel mitbringen und für die Kunden der Tafel daraus ein Menü zubereiten. »Alle zwei Jahre kommt auch Singens OB Bernd Häusler mit seinen Fachbereichsleitern in der Rolle als Gastkoch zur Tafel«, berichtet Engelhardt. Dadurch, dass regelmäßig Gastköche in der Tafel kochen, ist die Einrichtung auch eine Brücke geworden zwischen Menschen, denen es gut geht, und Menschen, denen es nicht so gut geht.

Dominik Hahn

Quelle: Singener Wochenblatt vom 20. September 2017

In Kürze

In Kürze Gründung: 25. Januar 1999

Mitgliederzahl: 125

Vorsitzender: Udo Engelhardt

Stellvertreterin: Anita Hoffmann

Schatzmeister: Willy Wagenblast

Schriftführerin: Marie Luise Schmautz

Aktive Helfer: 179

Lebensmittelspenden insgesamt: 90 Tonnen/Monat

Insgesamt beziehen rund 4.200 Menschen im Landkreis Konstanz Lebensmittel von der Tafel.

Unser Engagement

Die Aktion »Kochen für die Tafel« begleitet seit Jahren den Mittagstisch.

Der Kiwanis Club Hegau unterstützt diese Aktion nun bereits seit 2005. Jeden Monat wird mindestend einmal für die Tafel gekocht. Gekocht ist dabei fast untertrieben. Es wird jedes mal ein Menü zubereitet. Chefkoch, Koordinator und Motor der Kiwanis-Hilfe ist Paul Wrobel. Für ihn entspricht die praktische Hilfe »Kochen für die Tafel« der ursprünglichen Bedeutung des Namens »Kiwanis«.

Aktuelles

Heute kocht für Sie Kiwanis

Seit mehr als zwölf Jahren kocht nämlich KF Paul Wrobel jeden Monat, meistens an einem Freitag, etwa 100 Essen für bedürftige Menschen im Raum Singen. Die Lebensmittel spendiert der Club aus der Sozialkasse. Um diese wieder zu füllen, kochte Paul für einmal für seinen Club...

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